[:de]PLM-PROJEKTE – HERAUSFORDERUNGEN UND STOLPERFALLEN (3/6)[:]

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2. Die Systeme

Repräsentative Umfragen und unsere eigenen Erfahrungen haben gezeigt, dass die Auswahl der Systeme im PLM-Prozess nur eine untergeordnete Rolle für den Projekterfolg spielt. Die heutigen großen Anbieter an PLM-Systemen unterscheiden sich in Ihren Hauptfunktionalitäten nur marginal voneinander. Alle modernen Systeme beherrschen die gängigen Anforderungen. Unterschiede kann es bei Detaillösungen ergeben oder bei Fragen, wie „offen“ ein System für weiterführende Anforderungen und Programmierungen ist.

Viel wichtiger sind die strukturierte und konsequente Implementierung, sowie die (politische) Strategie, die hinter der Systemlandschaft steckt.

So kann z. B. eine Diversifizierung der verschiedenen Systemanbieter für CAD, PDM, ERP etc. dazu beitragen, dass man neben einer gewissen Unabhängigkeit auch auf ein offeneres Ohr bei Schnittstellenthematiken zwischen den einzelnen Systemen trifft. U. a. in Multi-CAD Umgebungen kann dies deshalb die Strategie der Wahl sein.

Liegt Ihr Fokus eher auf der Durchgängigkeit des gesamten Prozesses mit nahtlosen Schnittstellen und wenig Anpassungsaufwand zwischen den einzelnen Systemen, dann macht es u. U. Sinn, sich auf einen Anbieter oder einige wenige Anbieter zu konzentrieren. Oft kann man als „Exklusivkunde“ bessere Konditionen und intensivere Betreuung seitens des Anbieters herauskitzeln.

Regel Nr. 3: Fragen Sie eher „Wie nutze ich ein System in meinem Unternehmen?“ als „Was kann ein System?“

Durch unzählige Anforderungen, die Systemanbieter im Laufe Ihrer Erfahrung bearbeitet haben, sind heutige Systeme im PLM-Prozess extrem komplex geworden und bieten eine Fülle von Funktionalitäten. Lassen Sie sich nicht von einem riesigen Funktionsumfang blenden, u. U. benötigen Sie nur einen Bruchteil davon.

Deshalb kann ein wichtiges Kriterium bei der Systemauswahl darin liegen, wie komplex ein Anwender oder Administrator ein System erlebt, wenn nur ein Teil der Funktionalitäten für ihn wirklich relevant ist. Lassen sich z. B. nicht benötigte Funktionen abschalten und ausblenden? Ist dies nicht möglich, sind Akzeptanzprobleme und ein hoher nachgelagerter Supportaufwand vorprogrammiert.

Regel Nr. 4: Alle modernen PLM-Systeme sind komplex. Prüfen Sie bei der Systemauswahl, ob Ihre Anwender oder Administratoren bei ihrer täglichen Arbeit ständig mit der gesamten Komplexität konfrontiert sind!

Wiederholt sehen wir, wie die Verantwortlichen im Verlauf des Projektes der Versuchung der Komplettautomatisierung erliegen. Die meisten heutigen Systeme und Prozesse bieten die Möglichkeit einer großen Automatisierungstiefe. Nur weil eine Automatisierung einzelner Teilprozesse möglich ist, heißt aber nicht, dass sie auch genutzt werden muss. Der richtige Weg kann hier nur vom Prozess zum System gehen und nicht umgekehrt. Schauen Sie sich Ihre Prozesse an, identifizieren Sie Flaschenhälse und Zeitfresser und entscheiden Sie, ob diese durch Automatisierung eliminiert oder reduziert werden können.

Regel Nr. 5: Ermitteln Sie im Vorfeld des Projektes die Punkte in Ihren Unternehmensprozessen, die durch eine Automatisierung beschleunigt werden können und halten Sie sich daran! Versuchen Sie nicht, nur weil die neuen Systeme es Ihnen erlauben, alles zu automatisieren!

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